Eine kleine Revolution in China

Veröffentlicht: 08/10/2010 in Allgemein
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Heute hat Menschenrechtsaktivist Liu Xiaobo den Friedensnobelpreis gewonnen. Sicher weiß er selber es nicht, denn er ist seit zwei Jahren im Gefängnis. Was in Europa nur wenig interessiert, hat ganz China in Aufruhr versetzt, einen leisen Aufruhr wohl gesagt.

Es ist 11 Uhr in Oslo, 17 Uhr in Beijing. Auf Twitter überschlagen sich die Nachrichten, das Zensurbüro stoppt das BBC-Signal. Der Bildschirm des Fernsehers ist schwarz. Im Staatsfernsehn CCTV läuft Zirkus. Liu Xiaobo hat den Friedensnobelpreis gewonnen. Auf den Straßen ist es ruhig. Die Chinesen revolutionieren nicht, sie bloggen.

„Heute Abend gibt es Lachs. Wir wollen den Norwegern danken“, schreibt ein chinesischer Internetnutzer auf Twitter.

Ein anderer Nutzer berichtet, dass kurz nach der Ankündigung jemand in der Beijinger U-Bahn geschrieen habe: „Liu Xiaobo hat den Preis gewonnen“. Niemand habe darauf reagiert. Zu wenige würden den Friedensnobelpreis kennen.

Es ist das erste Mal, dass ein Chinese die Auszeichnung erhält. Vor 21 Jahren war Liu Xiaobo an den Demonstrationen am Tiananmen-Platz beteiligt. Er ist Mitverfasser der Charte 08, ein Manifest, das zur Demokratie und zur Einhaltung des chinesischen Rechts aufruft, denn laut Gesetz gibt es ein Mehrparteiensystem und Meinungsfreiheit.

2009 wurde der ehemalige Universitätsprofessor zu 11 Jahren Haft verurteilt, „nach chinesischen Recht“, wie Jiang Yu, der Sprecher des Außenministers vorab erklärte. „Ihm den Nebelpreis zu verleihen, wäre es falsches Signal in die Welt zu senden.“

Die chinesischen Behörden hatten im Vorfeld das Nobel-Preis-Kommitee gewarnt, den Dissidenten nicht mit dem Nobelpreis auszuzeichnen und selbst damit gedroht, Norwegens Wirtschaft zu boykottieren.

Zwei Stunden nach der Ankündigung nimmt das Außenministerium die Auszeichnung bitter zur Kenntnis. Das Staatsfernsehen schweigt beharrlich. Immer noch flackert BBC. China lässt grüßen.

Links :

Interview mit Liu Xiaobo auf Arte Reportage
Artikel auf www.aujourdhuilachine.com

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Kommentare
  1. Kathrin Aldenhoff sagt:

    Und wie reagieren die Leute die du darauf ansprichst? Hanna, ich wäre jetzt auch gerne in China! Meinst du der Preis schadet ihm eher oder bringt der ihn früher wieder raus aus der Haft?

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